Interview mit Professor Malte Brettel – Preisträger des Startup Spirit Aachen Award

Als Forscher, Lehrer, Prorektor und Gründer prägt Malte Brettel die Aachen Area bereits seit Jahrzehnten. Seit 2003 hat er den Lehrstuhl der Wirtschaftswissenschaften für Ingenieure und Naturwissenschaftler an der RWTH Aachen inne. Ebenso leitet er seit 2003 das Gründerzentrum der RWTH Aachen. Von 2012 bis 2023 betraute er das Amt des Prorektors der RWTH Aachen University. Er ist Mitinitiator und Vorstandsmitglied des digitalHUB Aachen e.V. und prägt die regionale und Überregionale Gründungsszene seit vielen Jahren. Dafür wurde er nun mit dem Startup Spirit Award ausgezeichnet – wir haben mit ihm gesprochen.

Malte, herzlichen Glückwunsch zum Startup Spirit Aachen Award! Seit über 20 Jahren bringst du deine Expertise im Aachener Startup-Ökosystem ein, du hast es mit aufgebaut und bist nach wie vor unermüdlichem im Einsatz für die Gründungsszene. Was treibt dich an?

Malte Brettel: Vor allem die Tatsache, dass wir Gründungen wirklich brauchen als Gesellschaft, um uns zu wandeln. Viele wichtige Innovationen werden durch Gründungen in die Welt gebracht und verändern diese – idealerweise positiv.

In den 90er Jahren hast du JustBooks – einen Online-Marktplatz für antiquarische und vergriffene Bücher – mitgegründet. Das Unternehmen wurde 2008 von Amazon übernommen. Was hat dich damals motiviert, überhaupt zu gründen?

Malte Brettel: Das war Neugier, das in Zeiten der New Economy auch zu probieren. Ich habe mich mitunter von Neugier oder Spaß an Dingen treiben lassen im Leben und das war auch wieder ein solcher Moment.

Du hast das Gründungszentrum der RWTH Aachen University aufgebaut und begleitest seit 2003 andere Gründer und Gründerinnen. Heute entstehen jährlich über 100 Unternehmen aus der RWTH. Aus deinem eigenen Lehrstuhl sind mehr als 70 Unternehmen hervorgegangen. Was ist das Erfolgsgeheimnis unseres Standorts? Was macht Aachen zu einem guten Standort für Gründer und Gründerinnen?

Malte Brettel: Wir haben in Aachen eine einzigartige Kombination aus Technologie und Talent. Wenn wir dieses richtig zusammenbringen, dann können spannende Unternehmen entstehen. Das versuchen wir auch am Lehrstuhl, Menschen zu verbinden und mit einem Purpose zu versehen. Daraus erwachsen die genannten Gründungen, ich glaube, inzwischen sogar mehr als 80.

Anschlussfrage: Und woran fehlt es uns? Was könnten wir im Aachener Startup-Ökosystem zukünftig noch besser machen?

Malte Brettel: Es gibt viele Kleinigkeiten, an denen wir arbeiten können. Wir sind hier in Aachen zum Beispiel sehr stolz auf unsere Forschung und das, was daraus hervorgeht. Das ist auch richtig, führt aber dazu, dass wir die initiale Idee oder auch Technologie überschätzen und die harte Arbeit der Entwicklung eines Startups (Execution) unterschätzen. Erfolg bei Startups wird jedoch selten über die Idee und eigentlich immer über die Execution entschieden.

Was verbirgt sich hinter deinem Leitgedanken “We honor founders. And we know why”? Was steckt hinter dem “warum”?

Malte Brettel: „We honor founders“ bringt auf den Punkt, was ich gerade beschrieben habe: Für uns stehen Unternehmer und Menschen, die unternehmerisch tätig werden möchten, im Mittelpunkt. Für sie setzen wir uns ein und sie möchten wir gezielt fördern, weil wir wissen, wie wichtig ihre Ideen, ihr Mut und ihr Engagement für unsere Gesellschaft sind.

Das beschreibt auch das „Why“, also aus welchem Grund wir Gründer fördern. Es geht jedoch noch einen Schritt weiter: Wir können aufzeigen, wie Gründer erfolgreich werden. Einzelne Gründer können diesen Weg anhand ihrer persönlichen Erfolgsgeschichte beschreiben. Durch unsere Forschung verstehen wir zusätzlich, aus welchem Grund bestimmte Wege, Entscheidungen und Rahmenbedingungen zum Erfolg beitragen.

Dieses Wissen geben wir an heutige und zukünftige Generationen von Gründer weiter.

Ob als Gründer, Mentor oder Professor – dein Herz schlägt für Unternehmertum. Auch deine Forschungsexpertise liegt im Bereich Entrepreneurship. Worauf kommt es deiner Meinung nach heute besonders an, wenn Menschen gründen?

Malte Brettel: Wenn ich hier zwischen den vielen Dingen eines hervorheben darf, dann ist das „Purpose“. Junge Menschen suchen mehr denn je den Sinn in dem, was sie tun. Und eine Gründung kann viel Sinn (Purpose) geben, weil sie bei Erfolg zu einer besseren Welt führt. Das treibt diese jungen Menschen an und dann passiert etwas spannendes: Die junge Generation zeigt ein beeindruckendes Engagement. Das Klischee von einer vermeintlich faulen Jugend verliert damit schnell an Bedeutung. Dieses Engagement fördert ihren Erfolg und trägt zugleich zu einer besseren Zukunft bei.

Über den Startup Spirit Aachen Award

Der Startup Spirit Aachen Award wurde 2025 vom TechVision Fonds ins Leben gerufen und nun zum zweiten Mal in Folge von TVF und den weiteren Initiatoren der Startup Week Aachen im Rahmen der Eventwoche vergeben. Der Preis ehrt Menschen, die sich über ihre eigentliche Profession hinaus in besonderer Weise für das Startup-Ökosystem in Aachen engagieren.

Zurück nach oben